Polarreise - Eine Reise in das ewige Eis
Seitdem Mitte des 20. Jahrhunderts erstmals ein Schiff mit Touristen von Argentinien aus zu den Südshetland-Inseln gefahren ist, hat die Zahl der Reisen in die Polarregionen stetig zugenommen. 1969 wurde das erste Kreuzfahrtschiff speziell für die Polargewässer gebaut, und mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Schiffstypen, die jährlich ungefähr 10.000 Touristen in diese faszinierenden Gebiete bringen. Da haben Sie wahrlich die Qual der Wahl!

Um Ihnen die Entscheidung ein wenig zu erleichtern, stellen wir Ihnen die gängigsten Typen vor. Zunächst einige allgemeine Bemerkungen:

Für welche Reederei und für welches Schiff Sie sich letztlich auch entscheiden – Sie sollten darauf achten, dass die Umweltschutzbestimmungen eingehalten werden. Das fängt mit der Ausstattung an, die so eingerichtet sein sollte, dass keinerlei Abwasser oder Müll ins Meer gelangen. Außerdem ist bei Landgängen wichtig, dass nicht mehr als maximal 100 Personen gleichzeitig von Bord gehen, die selbstverständlich keinen Unrat an Land lassen und außerdem dafür Sorge tragen, den Tieren nicht zu nahe zu kommen (was letztlich auch im Interesse Ihrer eigenen Sicherheit ist!). Die Schiffe halten ‚Zodiacs’ bereit, sehr stabil gebaute Schlauchboote, mit denen die Gäste zusammen mit einem Expeditionsleiter an Land gebracht werden, wobei die Gesamtlandezeit an jedem Ort auf maximal vier Stunden begrenzt ist. Je kleiner also Ihre Reisegruppe ist, desto länger können Sie in dieser wunderbaren Landschaft bleiben.

Es dürfen ohnehin nur Reisende von solchen Schiffen an Land gehen, die weniger als 500 Passagiere befördern. Für die größeren gilt: Die atemberaubende Landschaft und die schönen Tiere können lediglich von Bord aus und im Vorbeifahren bestaunt werden, was aber wahrlich bereits ein Hochgenuss ist

Die Wahl Ihres Schiffes hängt von mancherlei Faktoren ab. Entscheidend ist etwa die Frage, was Sie unterwegs sehen und erleben, welche Route Sie also befahren möchten. Denn aufgrund der Witterungs- und speziell der Eisverhältnisse ist längst nicht jedes Schiff für jede Fahrt geeignet. Und legen Sie Wert auf Komfort an Bord, lieben Sie die Geselligkeit auf dem Schiff? Oder bevorzugen Sie einen eher familiären Rahmen? Möchten Sie vielleicht sogar auch mal selbst mit anpacken? Stehen für Sie Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund?

Der Klassiker bei Fahrten auf dem Meer ist natürlich das Kreuzfahrtschiff. Wir alle kennen die gewaltigen Luxus-Liner, die etwa durch die Karibik oder andere sonnig-warme Gebiete fahren. An diejenigen in Polargewässern werden andere Anforderungen hinsichtlich der Bauweise gestellt. Sie haben einen speziell verstärkten Rumpf, dem auch dickere herumtreibende Eisschollen nichts anhaben können.

Der Komfort wird an Bord dieser Schiffe groß geschrieben. Die Kabinen sind sehr gut ausgestattet, es gibt gemütliche Aufenthaltsräume, meist auch ein Fitnesscenter und andere Möglichkeiten der Unterhaltung.

Die größten Kreuzfahrtschiffe für Polargewässer können bis zu 1000 Passagiere aufnehmen. Da kommen Geselligkeit und Komfort gewiss nicht zu kurz. Wenn Sie vielleicht zum ersten Mal Polarluft schnuppern und sich ganz allgemein einen Eindruck von dieser faszinierenden Welt machen möchten, sind Sie an Bord eines Kreuzfahrtschiffs bestens aufgehoben. Denn auch ohne Landgänge, die ja bei diesen großen Schiffen nicht möglich sind, genießen Sie die großartige Naturlandschaft und können auch viele der beeindruckenden Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum vor der faszinierenden Kulisse sehen.

Eins der größten und zugleich komfortabelsten Kreuzfahrtschiffe ist die MS Alexander von Humboldt II, die unter der Phönix-Flagge fährt. Hier wird ganz besonderer Wert auf Komfort und besten Service gelegt. Etwas familiärer geht es dagegen auf der MS Delphin der Hansa-Flotte zu. Bei Fahrten in die Antarktis sind hier maximal 300 Passagiere an Bord.

Eine besondere Art des Reisens in die Polarregionen bieten die Postschiffe. Sie waren ursprünglich als reine Versorgungsschiffe konzipiert, haben aber nach und nach Passagiere aufgenommen. Besonders die Hurtigruten Gruppe soll hier erwähnt werden. Sie versorgt regelmäßig die Orte entlang der norwegischen Küste – von Bergen bis nach Kirkenes an der russischen Grenze – mit Proviant. Reisende können zwischen der gesamten Strecke, die in einer Richtung innerhalb von sieben Tagen befahren wird, und beliebigen Teilstücken wählen – ganz nach ihrem Geschmack.

Die Hurtigruten Gruppe hält verschiedene Postschiffe bereit, die alle zwischen 700 und 1000 Passagiere mitnehmen können. Die der traditionellen Generation, wie etwa die MS Lofoten, entsprechen in punkto Ausstattung und Komfort längst nicht mehr den heute üblichen Standards. Die Kabinen sind eher spartanisch eingerichtet, es entsteht eine recht hohe Geräuschkulisse (auch durch das Be- und Entladen mit Schiffskränen), und außer einem Speisesaal gibt es keine weiteren Gesellschaftsräume. Dennoch hält die Reederei an diesen Schiffen fest, weil gerade dieser Typ bei solchen Touristen sehr beliebt ist, die das Urwüchsige schätzen.

Die neue Generation der Postschiffe ähnelt dagegen einem kleinen Kreuzfahrtschiff der gehobenen Kategorie. Dennoch wird auch hier an Bord kein Wert auf übertriebene Etikette gelegt – der Umgangston ist eher familiär, und Gesellschaftskleidung ist nicht erforderlich. Das jüngste Modell ist die MS Trollfjord mit etwa 900 Passagieren.

Die Reise in einem solchen Postschiff ist ideal für Sie, wenn Sie einen ersten Eindruck von der arktischen Region bekommen möchten. Hier können Sie außerdem auch viele kleine Hafenorte besichtigen und Einblick in das schwierige Leben ihrer Bewohner gewinnen.

Das weitaus gängigste Schiff für Reisen in die Polargewässer ist ganz eindeutig das Expeditionsschiff. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es kleiner und wendiger ist als ein Kreuzfahrtschiff und außerdem einen geringeren Tiefgang hat. Dadurch kann es nicht nur selbst kleine Häfen anlaufen, sondern auch in schmalen Fjorden bestens manövrieren.

Auf den Expeditionsschiffen fahren weniger als 200 Passagiere mit; dies schafft eine fast familiäre Atmosphäre. Außerdem können dadurch die Landgänge etwas ausgedehnter gestaltet werden. Kennzeichnend für die Expeditionsschiffe ist überdies, dass fachkundige Reisebegleiter und Lektoren mit an Bord sind, die Ihnen eine Fülle an Wissenswertem über Ihre ausgefallene Urlaubsregion mitteilen. Dazu sind meist auch spezielle Vortragsräume eingerichtet. Außerdem können Sie in einer Bibliothek mit einem reichen Bestand an Informationen rund um die Polargebiete Ihr Wissen noch vertiefen.

Die bekanntesten Schiffe dieses Typs sind die MS Bremen und die MS Hanseatic, beide von der Reederei Hapag Lloyd.

Die Bremen ist mit der höchsten Eisklasse für Passagierschiffe ausgestattet, was die Reise in ganz entlegene Gebiete ermöglicht. Die Hanseatic wurde als einziges Expeditionsschiff überhaupt mit fünf Sternen ausgezeichnet. Komfort und Erlebnis, gepaart mit perfekter Betreuung im Servicebereich wie auch auf wissenschaftlicher Ebene tragen dazu bei, dass Ihre Reise in die Polarregionen in bester Erinnerung bleibt.

Viele Regionen, wie etwa der Norden von Kanada, Russland und Grönland, sind selbst in den Sommermonaten nur mit einem Eisbrecher zu durchfahren. Diese Schiffe waren ursprünglich gar nicht darauf ausgerichtet, Passagiere mitzunehmen. Seit jedoch der Wunsch vieler Reisenden, auch ganz entlegene Gebiete von Arktis und Antarktis zu besuchen, größer wurde, gingen die Reedereien dazu über, einige Eisbrecher zu diesem Zweck umzubauen. So gibt es überraschend komfortable Kabinen, Vortragssäle und eine qualitativ sehr hoch stehende Küche, die man hier nicht unbedingt erwartet.

Der Eisbrecher Kapitän Khlebnikov ist so ausgestattet, dass er eine bis zu 1,5 m dicke Eisschicht durchschlagen kann. Außerdem gibt es nur 100 Passagiere, wodurch die Landgänge bis zur maximal erlaubten Dauer von vier Stunden ausgedehnt werden können. Für die Eisaufklärung gibt es Hubschrauber an Bord, mit denen auch die Passagiere (bei gutem Wetter) den sonst ganz seltenen Ausblick auf die herrliche Landschaft genießen können.

Die russischen Eisbrecher-Kapitäne zählen weltweit zu denen mit der größten Erfahrung bei Fahrten durch die Eismeere. Wenn Sie Ihre Fahrt zu Nord- oder Südpol auf einem Eisbrecher unternehmen, spüren Sie am ehesten die raue Natur, wenn auch selbstverständlich der Komfort nicht zu kurz kommt.

Die Forschungsschiffe nehmen nur etwa 50 Passagiere mit. Sie wohnen während ihrer Reise gemütlichen, wenn auch nicht luxuriösen Kabinen. Auch die gesamte Einrichtung dieser Schiffe übersteigt den Rahmen des rein Zweckmäßigen.

Die erfreulich kleine Zahl der Reisenden sorgt nicht nur für eine familiäre Stimmung, sondern – und das dürfte Ihnen sicher noch wichtiger sein – garantiert auch optimale Betreuung bei den Landgängen. Diese werden besonders sorgfältig vorbereitet, indem qualifizierte und kenntnisreiche Lektoren Ihnen zuvor alles Wissenswerte erläutern und auch später für Fragen jeder Art zur Verfügung stehen.

Die bekanntesten Forschungsschiffe zur Touristenbeförderung sind die baugleichen MS Professor Multanovskiy und die MS Professor Molchanov. Sie wurden zu Beginn der 80er Jahre in Finnland gebaut und laufen unter russischer Flagge. Sehr angenehm für die Passagiere sind die Stabilisatoren im Rumpf der Schiffe, die auch bei rauer See allzu große Schwankungen verhindern. Die Brücke ist bei ruhigem Wetter auch für Passagiere geöffnet, wodurch ihnen eine besonders gute Aussicht gewährt wird.

Eine Polarreise der ganz besonderen Art bieten die Segelschiffe. Damit sie nicht nur hochseetauglich sind, sondern auch in riskanten Situationen schnell manövrieren können, sind sie mit einem kräftigen Motor ausgestattet. Zusätzliche Verstärkungen am Rumpf machen sie zudem unempfindlich gegen Eisschollen. Ein Prachtexemplar ist die Segelbarkentine Antigua.

An Bord dieses wunderschönen Dreimasters erleben Sie die Natur hautnah und fühlen sich fast wie auf den Spuren der frühen Entdecker. Denn die Crew sieht es gerne, dass die 32 Passagiere mit anpacken, wenn es ums Setzen der Segel geht. Dafür können sich die Reisenden beim Essen nach allen Regeln der Kunst verwöhnen lassen. Die geringe Zahl an Touristen ermöglicht es der Crew überdies, auf individuelle Wünsche - auch bei Besichtigungen - einzugehen. Allerdings sollten Sie schon etwas von einem Seebären in sich haben, wenn Sie sich für eine Reise mit einem Segelschiff entscheiden.



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