Polarreise - Eine Reise in das ewige Eis
Wer an die Arktis denkt, stellt sich riesige Eisberge vor, von denen ab und zu Teile ins Meer stürzen; er sieht die ungeheure Weite, das schillernde Eis und kristallklares Wasser. Und diese prächtige Natur wird es auch in erster Linie sein, die Sie auf Ihrer Nordpolarreise bewundern. Dennoch wollen wir Ihnen an dieser Stelle ein paar Fakten zu dieser Region vermitteln, denn unter dem Begriff ‚Arktis’ ist viel mehr zu verstehen. Es gibt freilich unterschiedliche Definitionen, die dieses faszinierende Gebiet beschreiben.

Während man früher davon ausging, dass die Arktis die gesamte Fläche nördlich des Polarkreises umfasst, der die Erde bei 66° 33’ N umzieht, setzt man heute klimatische Kriterien an: Alles, was sich nördlich der Breite befindet, an der im Juli die Durchschnittstemperatur weniger als 10° beträgt, zählt zur Arktis. Verständlicherweise ändert sich die genaue Abgrenzung daher von Jahr zu Jahr, und das nicht erst seit der globalen Erwärmung.

Da die Arktis nicht nur das eigentliche und allseits bekannte Nordpolarmeer bedeckt, sondern sich auch über das Festland der nördlichsten Gebiete Asiens, Nordamerikas und Europas erstreckt, sind hier die Lebensbedingungen völlig anders als im ewigen Eis direkt am und im Polarmeer. Während in den Wintermonaten Temperaturen von minus 40° keine Seltenheit sind, taut der Boden im Sommer auf und hinterlässt einen schlammigen Grund. Darin finden sich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die sich die relative Wärme des Sommers zunutze machen.

Auch für die Menschen bedeuten diese Monate, dass sie sich mit notwenigen Lebensmitteln versorgen und allgemeine Vorkehrungen treffen müssen, um die schon bald eintretende Kälte überstehen zu können.

Die Arktis umfasst - je nach der klimatischen Begrenzung - eine Fläche von etwas 26.000.000 qkm. Und darauf verteilt leben knapp vier Millionen Menschen, die meisten davon in teilweise recht großen Städten, viele aber auch als Nomaden mit Rentierherden. Hinzu kommen die wenigen Menschen, die in der Nähe der Küste vom Fischfang leben.




Murmansk, Hammerfest und Honningsvag

Lage von Murmansk (rot markiert), Hammerfest (grün markiert) und Honningsvag (blau markiert)

Die größte Stadt der Arktis ist Murmansk in Russland mit 372.000 Einwohnern; die nördlichste der Erde war bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Hammerfest in Norwegen (9300 Einwohner). Inzwischen hat Honningsvag (ebenfalls in Norwegen und 3500 Einwohner) die Stadtrechte erhalten und kann damit diesen Titel für sich beanspruchen.



Es gibt unterschiedliche ethnische Gruppierungen; die Inuit dürften die bekanntesten sein und sind auch am häufigsten vertreten. Früher nannte man sie Eskimos (= Esser von rohem Fleisch), während die heutige Bezeichnung einfach ‚Mensch’ bedeutet. Auf Ihrer Tour entlang der Eismeerküste können Sie sicher auch einige von ihnen beobachten, wie sie mit den Hundeschlitten über das Eis fahren.

Die Inuit und die anderen in der Arktis lebenden Menschen müssen in den Wintermonaten viele Entbehrungen hinnehmen. Dagegen haben sich Tiere und Pflanzen ausgezeichnet den frostigen Lebensbedingungen angepasst.

Dass der Eisbär in der Arktis lebt, speziell im und auf dem Nordpolarmeer, wissen wir nicht erst, seit wir dank ausführlicher Medienberichte die Entwicklung von Knuts Kindheit und früher Jungend hautnah verfolgen durften. Auch wenn man es dem wuscheligen Bärenkind und dem später leicht unbeholfen wirkenden erwachsenen Eisbären nicht zutrauen mag: Er gilt als das gefährlichste Raubtier überhaupt.

Sein Körper und sein gesamtes Verhalten sind bestens auf die eisigen Temperaturen abgestimmt. Sein dichtes Fell besteht aus hohlen Haaren, deren Luftschicht eine ausgezeichnete Isolierung darstellt und die Wärme in die Haut weiterleitet. Diese ist übrigens schwarz und kann Wärme sehr gut speichern. Außerdem verfügt der Eisbär über eine bis zu 10 cm dicke Fettschicht, die ihn nicht nur unempfindlich gegen Kälte macht, sondern ihm auch dabei hilft, längere Zeiten ohne oder mit geringer Nahrungsaufnahme zu überstehen.

Denn die Sommermonate sind für Eisbären eher karg. Sie ernähren sich hauptsächlich von Robben, die im Winter nur an wenigen eisfreien Stellen zum Luftholen auftauchen können. Genau das macht sich der Eisbär zunutze, indem er dort seine Beute erwartet. Im Sommer dagegen sind die Robben dem Landsäuger im Wasser weit überlegen, obwohl auch der Eisbär ein sehr guter Schwimmer ist.

Seine Stärken liegen allerdings nicht in der Schnelligkeit, sondern in der Ausdauer. Sowohl an Land als auch im Wasser bewegt er sich eher langsam – schließlich hat er keine natürlichen Feinde. Und bei Sprints muss er wie ein Hund hecheln, was wiederum einen Wärmeverlust darstellt.

Im arktischen Meer sind neben vielen verschiedenen Robben nahezu sämtliche Walarten vertreten. Außerdem gibt es in Küstennähe zahllose Wasservögel, darunter viele Möwenarten und Seeschwalben, zu finden; weiter landeinwärts kommen viele andere Vögel vor. Kleinere Landsäuger wie etwa Polarfuchs, Polarwolf, Hermelin und Schneehase zieht es zumindest teilweise in die angrenzende Taiga und Tundra, weil sie nur hier Nahrung finden. Die Pflanzenfresser können ohnehin nur von Moos, Flechten und Gräsern leben, und die Raubtiere wiederum ernähren sich etwa von den Schneehasen und anderen kleinen Nagern. Sie alle sind nur im Sommer aktiv und ziehen sich zum Winterschlaf zurück, sobald Schnee und Eis überhand nehmen.

Die Nahrungskette in unmittelbarer Nähe des Polarmeeres ist sehr kurz. Direkt unterhalb der Eisschicht leben kleine Eisalgen, die von Krill und Plankton gefressen werden. Davon ernähren sich neben einigen Walarten auch Heringe und Kabeljaus, die wiederum die Leibspreise der Robben darstellen. Und von denen schließlich ernähren sich vorzugsweise die Eisbären.

Einige beachtlich große Säugetiere haben sich in der arktischen Tundra behaupten können: Der Moschusochse, der dem bereits ausgestorbenen Mammut sehr ähnelt und bereits seit der letzten Eiszeit existiert, und das Karibu, eine nordamerikanische Hirschart, die dem Rentier sehr ähnelt.

Einen der Höhepunkte Ihrer Reise in die Arktis stellt gewiss die Beobachtung der dort lebenden Tiere dar. Von nahezu allen Schiffen aus haben Sie die Gelegenheit, nicht nur die atemberaubende Naturlandschaft zu genießen, sondern auch Eisbären, Walrosse und andere Robben, Wasservögel und schließlich Luft holende Wale vor dieser faszinierenden Kulisse zu bestaunen. Wenn Sie außerdem eine Exkursion in die Tundra unternehmen möchten, sollten Sie sich für eine Kombitour entscheiden. Colibri-Umweltreisen etwa - um nur einen von vielen ähnlichen Veranstaltern zu nennen - bietet zusätzlich zur Fahrt entlang der Küste auch Landgänge sowie Expeditionen durch dieses einzigartige Gebiet an. Und bei Arktis-Reisen Schehle gibt es sogar die Möglichkeit, mit dem Hundeschlitten durch diese tief verschneite Region zu gleiten.

Dass Ihnen dabei auch einige wild lebende Tiere begegnen, ist fast selbstverständlich.



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