Polarreise - Eine Reise in das ewige Eis
Die Antarktis bezeichnet das Gebiet um den Südpol herum. Ähnlich wie bei der Arktis gibt es auch hier verschiedene Definitionen. Die häufigste ist die Begrenzung auf den Polarkreis bei 66° 33’ S. Allerdings wird auch oft die „antarktische Konvergenz“ bei etwa 50° südlicher Breite als Grenze angesetzt. Das ist die Stelle, an der das kalte Wasser der Antarktis unter das wärmere Oberflächenwasser der Subtropen sinkt.

Die Antarktis stellt einen eigenen Kontinent dar und bedeckt im Gegensatz zur Arktis keine anderen Länder. Bis zum nächstgelegenen Festland, nämlich Südamerika, sind es noch ungefähr 2000 km. Der Kontinent selbst umfasst eine Fläche von 13,2 Millionen qkm und ist damit etwas größer als Europa. Das gesamte Gebiet südlich des Polarkreises erstreckt sich über eine Fläche von 21,2 Millionen qkm.

Durch die gewaltige Eisdecke, die den Kontinent Antarktika das ganze Jahr über bedeckt, lassen sich die tatsächlichen geologischen Formationen für den Laien nicht erkennen. Hier gibt es aber bis zu 5000 m hohe Berge, auch Buchten, Fjorde und Süßwasserseen, die - ohne Eis – weit unterhalb des Meeresspiegels liegen würden. Insgesamt birgt die Antarktis in ihren riesigen Eismassen etwa 75% des gesamten Trinkwasserbedarfs, was Forscher schon zu der Überlegung gebracht hat, Teile der Eisberge in die ausgetrockneten Regionen der Erde zu befördern.

Tatsächlich brechen auch ohne menschliches Zutun immer wieder Teile der gewaltigen Eisformationen ab und driften mit der Strömung weiter, noch bevor sie schmelzen können. Dabei legen sie eine Strecke von bis zu 12 km am Tag zurück. Auf Ihrer Reise durch diese atemberaubende Landschaft wird Ihnen vermutlich irgendwann auch ein losgelöster Einberg begegnen. Vielleicht können Sie sogar das Kalben, also den Abbruch einer gewaltigen Eismasse vom ‚Festland’, beobachten – ein beeindruckendes Schauspiel!

Die Antarktis vereint viele Extreme der gesamten Erde auf sich. Hier findet man mit 400 km den längsten Gletscher, und die durchschnittliche Höhe von 2800 m macht Antarktika zum höchsten Kontinent, der freilich ohne das Eis der niedrigste wäre. Es herrschen Temperaturen von bis zu – 90°, und die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei – 55°. Lediglich an den Küsten kann es im Sommer um 0° „warm“ werden. Dabei fallen im Südpolargebiet die wenigsten Niederschläge überhaupt, weniger sogar noch als in der Sahara. Und die plötzlich auftretenden Stürme suchen ihresgleichen. Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h sind keine Seltenheit. Die Antarktis ist von der dicksten Eisschicht weltweit bedeckt, die in den gewaltigsten Bereichen eine Stärke von mehr als 4700 m hat. Sie überzieht zudem die prozentual größte Fläche, nämlich 98%. Auch das Packeis hat enorme Ausmaße: Das gefrorene Meerwasser, das sich gürtelförmig an den Küsten ablagert, wächst im Winter auf die stolze Größe von 30 Millionen qkm.

Die Antarktis birgt zahlreiche, auch seltene Bodenschätze, aber zum Wohl dieses faszinierenden Gebiets haben 1959 insgesamt 45 Nationen der Antarktis-Vertrag unterzeichnet und 1991 erweitert. Darin verzichten die Staaten auf jegliche wirtschaftliche und militärische Nutzung. Erlaubt sind lediglich wissenschaftliche Forschungen. Dieses Abkommen läuft im Jahr 2041 aus, und es bleibt zu hoffen, dass er sofort wieder verlängert und erweitert, zumindest jedoch nicht verwässert wird.

Vor und während Ihrer Reise in die faszinierende Landschaft werden Sie feststellen, dass auch der Tourismus strengen Umweltrichtlinien unterworfen ist. Nur auf diese Weise ist es möglich, diese unvorstellbar schöne und majestätische Region noch lange zu erhalten.

Da die klimatischen Bedingungen in der Antarktis absolut feindselig sind, leben hier keine Menschen dauerhaft, wie es etwa in der Arktis der Fall ist. Daher hat Antarktika, obwohl es ein eigener Kontinent ist, auch keine Regierung, und im Antarktis-Vertrag ist geregelt, dass kein Staat dieser Erde territoriale Ansprüche zu stellen hat.

Lediglich zahlreiche Forschungsstationen haben sich hier angesiedelt, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. In den Sommermonaten beherbergen sie bis zu 10.000 Menschen, im Winter dagegen nur etwa 1.000. Waren diese Einrichtungen in früheren Jahren noch sehr karg, ja spartanisch gestaltet, die kaum ausreichenden Schutz vor der Kälte boten, sind es heute richtig komfortable Wohncontainer, und teilweise gehören sogar ein Kino, ein Supermarkt und eine Kirche dazu. Dennoch sind die Bedingungen für die Wissenschaftler alles andere als angenehm, und bei der Auswahl werden hohe Anforderungen nicht nur an die fachliche Qualifikation, sondern auch an die körperliche und seelische Belastbarkeit sowie an das soziale Verhalten der Bewerber gestellt.

Die Forschungssituation selbst ist dagegen nahezu ideal. Insbesondere in den Bereichen Astrophysik, Klimatologie, Biologie, Ozeanographie, Meteorologie und natürlich Glaziologie bieten sich den Wissenschaftlern beste Bedingungen, und verschiedene Untersuchungen, wie etwa die des Eises und des Meeresbodens, sind ohnehin nur hier möglich.

Während auf der antarktischen Eisplatte nur einige wirbellose Tiere und außerdem eine 12 mm große Mücke leben, bieten die Küstenregionen und das Meer selbst eine ungeheure Artenvielfalt. Das kommt Ihnen auf Ihrer Polarreise zugute, da Sie sich auch bei Exkursionen an Land nicht allzu weit vom Meer entfernen werden.

Das bekannteste Tier der Antarktis ist der Pinguin. Er zählt zu den Vögeln, kann seine Flügel aber nicht zum Fliegen nutzen. Wenn er sich an Land bewegt, sieht sein watschelnder, aufrechter Gang fast komisch, zumindest aber etwas unbeholfen aus. Seine flossenartigen Füße und die schnittige Form machen ihn jedoch zu einem ausgezeichneten Schwimmer. Unter Wasser ist er schnell und ausdauernd und findet in den Meeren rund um die Antarktis reiche Beute. Pinguine leben in großen Gruppen; und unabhängig von Ihrem speziellen Reiseverlauf werden viele davon bewundern können.

Es gibt insgesamt 17 unterschiedliche Pinguinarten; im und am antarktischen Meer leben jedoch nur der majestätische Kaiserpinguin mit dem leuchtend geben Schnabel und dem gelben Brustbereich sowie der eher zierliche Adeliepinguin. Sie beide haben sich ausgezeichnet an die eisigen Temperaturen angepasst – die Federn sind so angeordnet und außerdem „imprägniert“, dass keine Körperwärme nach außen dringt, und sogar Schnee darauf nicht schmilzt.

Da Pinguine - mit Ausnahme der Jungvögel - an Land keine natürlichen Feinde haben, sind sie auch Touristen gegenüber sehr zutraulich. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, diese wunderschönen Vögel mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand von 30 m zu bestaunen. Eine spezielle Pinguin-Safari bietet Adventure Network International an; es geht auf den Dawson-Lembton-Gletscher an der Küste der Weddell-See, wo die Teilnehmer sogar in unmittelbarer Nähe zu den faszinierenden Tieren campen. Hier leben riesige Kolonien mit Zig-Tausenden von Pinguinen und ihren Jungen.

Das Säugetier, das sie auf Ihrer Reise durch die Meere der Südpolarregion auch vom Schiff aus sehr oft sehen können, ist der Wal. Er ist nicht nur neugierig und zutraulich und nähert sich daher den Touristenschiffen, sondern er muss immer wieder zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen, was an der bekannten Wasserfontäne sichtbar wird. In dem kristallklaren Meer sind die Wale auch weithin zu erkennen. Zu den bekanntesten Arten in der Antarktis zählt der gewaltige Schwertwal, dessen Schwanzflosse Sie schon aus großer Entfernung ausmachen können.

Die einzigen Säugetiere der Antarktis, die auch an Land kommen, sind Robben; in erster Linie Weddell-Robben und Krabbenfresser. Zwar leben beide vorwiegend im Meer, wobei sie mit ihren Zähnen Luftlöcher ins Eis graben, kommen aber teilweise auch an Land, insbesondere zur Geburt und Aufzucht der Jungen. Beide werden bis zu 2,5 m lang und zählen damit zu den größten Robben überhaupt. Die Weddell-Robbe ist vor allem in den Bereichen der Südshetland- und der Südorkney-Inseln zu finden.

Eine besonders verlockende Fahrt bietet Hapag Lloyd an; während der Reise mit der MS Bremen von und nach Ushuaia in Argentinien werden Sie die „Kinderstube“ der antarktischen Tierwelt zu Gesicht bekommen, was wohl jeden Beobachter ganz besonders begeistern wird.



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